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© 2010 Wittekindshof
Familienzentrum
Wittekindshof Gronau
Herzogstr. 58a
48599 Gronau
Tel. 02562-96448-0
Aufmerksame Zuhöher: Ludger Kämmerling (Sozialpädiatrisches Zentrum Coesfeld), Hansjoachim Maier (Ev. Fachverband Tageseinrichtungen für Kinder in Westfalen/ Lippe), Vorstandssprecher Pfarrer Prof. Dr. Dierk Starnitzke, Ressortleiterin Irene Stenzig.
Ahaus/ Gronau/ Kreis Borken (AM). „Kinder mit einem schweren Start ins Leben brauchen unsere besondere Unterstützung. Die Frühförderung Wittekindshof ist dabei ein ganz wichtiger Baustein", erklärte Gertrud Welper, die stellvertretende Landrätin des Kreises Borken beim Festakt zum 30-jährigen Jubiläum der Frühförderung Wittekindshof, das mit rund 150 Gästen am Freitagabend in der Aula der Bischöflichen Canisiusschule in Ahaus gefeiert wurde. Die hohe Bedeutung der Frühförderung betonte der Ahauser Bürgermeister Felix Büter, der beste Erinnerungen an die Unterstützung seiner Familie durch die Frühförderung hat. Der stellvertretende Gronauer Bürgermeister Klaus Lüttikhuis verwies in seinem Grußwort an den englischen Sprachgebrauch, nach dem Menschen mit Behinderung Menschen mit besonderen Bedürfnissen (special needs) seien. Diesen besonderen Bedürfnissen werde beispielsweise die Frühförderung gerecht.
„Viele Kinder, die von der Frühförderung des Wittekindshofes im Nordkreis profitiert haben, sind mittlerweile erwachsen und können - auch Dank der Frühförderung - ein selbstbestimmtes Leben führen. Andere brauchen weiter individuelle Unterstützung, profitieren aber dennoch von der Förderung in den ersten Lebensjahren", erklärte Gertrud Welper und betonte, dass sich der Wert einer Gesellschaft vor allem auch danach bemesse, wie sich Menschen mit Behinderung entfalten könnten. In den Augen der stellvertretenden Landrätin sei es Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen für ein gleichberechtigtes Zusammenleben von behinderten und nicht behinderten Menschen zu schaffen. „Letztlich kann diese Inklusion aber nur gelingen, wenn wir alle daran mitwirken, wenn wir auch im Alltag Menschen mit einer Behinderung zur Seite stehen und ihnen helfen, am alltäglichen Leben teilzunehmen", so Gertrud Welper, die versicherte, dass der Kreis Borken „am Ball bleiben" werde.
Das Jubiläum der Frühförderung Wittekindshof wurde mit einem „Markt der Möglichkeiten" eröffnet, bei dem sich zehn Träger von frühen Hilfen für Kinder und ihre Familien aus dem Kreis Borken mit ihren Angeboten aus dem medizinischen, therapeutischen, pädagogischen und allgemein sozialen Bereich sowie der Beratungsarbeit vorgestellt haben. Der „Markt der Möglichkeiten" war ein Treffpunkt von ehemaligen Mitarbeitenden und Familien, die die Frühförderung in den letzten 30 Jahren begleitet haben, aber auch zum Austausch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in verschiedenen Zusammenhängen oft mit den gleichen Familien arbeiten.
Die Vernetzung dieser verschiedenen Unterstützungsangebote war ein Aspekt den Professorin Annette Hartung von der SRH-Fachhochschule für Gesundheit aus Gera in ihrem Vortrag aufgegriffen hat. Sie hat bundesweit den einzigen Lehrstuhl für Interdisziplinäre Frühförderung und hat über gesellschaftlich bedingte Entwicklungsrisiken referiert, die die Arbeit der Frühförderung immer stärker beeinflussen. „Entwicklungsrisiken entstehen immer da, wo Förderbedarfe nicht erkannt und erfüllt werden - auch bei Hochbegabten. Jedes Kind muss aufmerksam von seiner Umgebung wahrgenommen und angemessen gefördert werden. Förderbedarfe kann jedes Kind haben", erklärte die Professorin. Sie betonte, dass neben der Arbeit mit dem Kind, das Umfeld in den Blick kommen müsse, weil viele Eltern finanziell, aber auch durch schwierige Familiensituationen hoch belastet seien und deswegen Beratung, Unterstützung aber auch Anleitung über kindliche Entwicklungszusammenhänge und Risiken benötigten. Um diese Belastungen zu erkennen und ihnen wirksam zu begegnen sei mobile Frühförderung, wie sie der Wittekindshof durch Besuche im Elternhaus seit 30 Jahren praktiziere unbedingt notwendig, aber auch die verstärkte Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten, die der Wittekindshof ebenfalls schon lange umsetzt und durch das Frühförderangebot im Wittekindshofer Familienzentrum in Gronau weiter ausgebaut hat.
Langanhaltender Applaus am Schluss des Vortrages von Professorin Hartung war ebenso wie häufiges Kopfnicken ein deutliches Zeichen der Zustimmung durch die über 150 Gäste. Auch in der anschließenden Podiumsdiskussion kamen Risikofaktoren für die kindliche Entwicklung wie Armut und Überforderung der Eltern zur Sprache. Die besondere Bedeutung der Frühförderung für Eltern betonten eindrücklich Sabine Gachot-Fröhlke aus Gronau, deren Tochter sehr früh geboren und deswegen entwicklungsverzögert war, und Uwe Kronenfeld, dessen jüngster Sohn mit Down-Syndrom geboren wurde. An die Stelle von Angst und Ungewissheit nach der Geburt, ist heute die Gewissheit getreten, „dass man mit diesem Kind sehr gut leben kann", so der Gronauer Vater.
Frühförderung im Kreis Borken
Im Kreis Borken erhalten nach Auskunft der Behindertenbeauftragten des Kreises Borken, Barbara Thien, jährlich rund 350 Säuglinge und Kleinkinder mit Entwicklungsverzögerungen, drohender Behinderung oder Behinderung Frühförderung. Dazu gehören auch Kinder nach schwierigen Schwangerschaften, frühen Frühgeburten oder mit schweren Erkrankungen. Frühförderung bieten die Heilpädagogische Frühförder- und Beratungsstelle Haus Hall in Gescher, die Heilpädagogische Frühförderstelle des Caritasverbandes Bocholt und die Frühförderung Wittekindshof mit Standorten in Ahaus und im Familienzentrum Wittekindshof in Gronau. Der Kreis finanziert die Frühförderung jährlich mit 1,2 Millionen Euro. Für Eltern ist die Frühförderung kostenfrei.